Zahn-Anatomie: Der Aufbau unserer Zähne im Detail

Zahn-Anatomie: Der Aufbau unserer Zähne im Detail

Thema: Aufbau, Struktur und Entwicklung der menschlichen Zähne – vom Zahnschmelz bis zur Zahnwurzel

Quellen:

  • Brockhaus (1885-1898)
  • Meyers Lexikon (1885-1898)

Die Anatomie des menschlichen Zahns

Unsere Zähne sind wahre Wunderwerke der Natur – hart wie Stein, aber lebendig und durchblutet. Wer jemals unter Zahnschmerzen gelitten hat, weiß, wie wichtig ein gesundes Gebiss ist. Doch was wissen wir eigentlich über den genauen Aufbau unserer Zähne?

Der menschliche Erwachsene besitzt insgesamt 32 bleibende Zähne. Diese Zahl war bereits im ausgehenden 19. Jahrhundert bekannt und hat sich bis heute nicht verändert. Jeder einzelne Zahn besteht aus drei wesentlichen Teilen: der Krone, dem Hals und der Wurzel.

Die Krone – das sichtbare Meisterwerk

Die Krone ist der Teil des Zahns, der frei aus dem Zahnfleisch in die Mundhöhle ragt. Sie ist mit dem sogenannten Zahnschmelz überzogen – der härtesten Substanz unseres Körpers. Der Schmelz besteht aus feinen, prismatischen Fasern, die ohne Zwischenmasse nebeneinanderliegen und dem Zahn seine charakteristische Härte verleihen. Interessanterweise ist der Schmelz am dicksten auf den Kauflächen und wird zum Zahnhals hin deutlich dünner. Mit einem scharf gezeichneten Rand endet er dort, wo das Zahnfleisch beginnt.

Der Zahnhals – die empfindliche Übergangszone

Der Zahnhals ist jene Stelle, an der die Krone in die Wurzel übergeht. Dieser Bereich wird vom Zahnfleisch bedeckt und ist deutlich dünner als die Krone. Der Zahnhals ist besonders empfindlich, da hier der schützende Schmelz endet und das darunterliegende Zahnbein freiliegt.

Die Wurzel – das Fundament im Kieferknochen

Die Wurzel sitzt fest in der Kieferalveole, also der Zahnhöhle des Kiefers. Sie kann einfach oder mehrfach sein – bei den Mahlzähnen des Oberkiefers finden sich sogar drei Wurzeln. Die Wurzel ist von der sogenannten Wurzelrinde oder Zement bedeckt, einer Knochensubstanz, die die Wurzeloberfläche überzieht und für den festen Halt im Kiefer sorgt.

Das Zahnbein – das Innenleben

Unter dem Zahnschmelz liegt das Zahnbein, auch Dentin genannt. Es macht den eigentlichen Körper des Zahns aus und besteht aus sehr feinen Röhrchen, die in einer harten, strukturlosen Grundmasse verlaufen. Diese Kanäle beginnen mit offenen Mündungen in der Zahnhöhle und im Wurzelkanal und sind sanft wellenförmig gebogen. Durch sie hindurch kann die Zahnpulpa, das Innenleben des Zahns, Nährstoffe transportieren – allerdings nur solange der Zahn vital ist.

In der Mitte jedes Zahns befindet sich die Zahnpulpa, ein weicher, aus Bindegewebe bestehender Körper. Sie enthält Blutgefäße und Nerven, die durch den Wurzelkanal in den Zahn gelangen. Das erklärt, warum Zahnschmerzen oft so intensiv sind – jeder Reiz wird direkt an die Nerven weitergegeben.

Die verschiedenen Zahntypen

Der Mensch besitzt vier verschiedene Arten von Zähnen, die jeweils unterschiedliche Aufgaben erfüllen:

Die acht Schneidezähne, auch Mittelzähne genannt, befinden sich vorne im Gebiss. Sie haben meißelartig zugeschärfte Kronen mit einer konvexen Vorder- und einer konkaven Hinterfläche. Ihre Hauptfunktion ist das Abbeißen der Nahrung.

Die vier Eckzähne, auf jeder Seite einer, fallen durch ihre konisch zugespitzten Kronen auf. Besonders die oberen Eckzähne, auch Augenzähne genannt, haben auffallend lange Wurzeln. Sie dienen zum Festhalten und Zerreißen von Nahrung.

Die acht kleinen Backenzähne, auch Vorbackenzähne oder Prämolaren genannt, haben niedrigere Kronen als die Eckzähne. Sie besitzen entweder zwei Wurzeln oder eine einfache, seitlich platt gedrückte Wurzel.

Die zwölf Mahlzähne, auch Stockzähne oder Molaren genannt, sind die größten Zähne des Gebisses. Ihre breiten, mehrhöckerigen Kronen sind perfekt zum Zerkleinern der Nahrung geeignet. Interessant ist, dass die oberen Mahlzähne in der Regel drei auseinanderstrebende Wurzeln haben, während die unteren nur zwei Wurzeln besitzen. Die Kauflächen der oberen Mahlzähne zeigen vier Höcker, die der unteren sogar fünf. Der letzte Mahlzahn, der sogenannte Weisheitszahn, bricht oft erst im 16. bis 25. Lebensjahr durch – oder bleibt manchmal ganz aus.

Die Entwicklung der Zähne

Die Zahnentwicklung beginnt erstaunlich früh – bereits gegen Ende des zweiten Schwangerschaftsmonats. Im Inneren der Kiefer bilden sich kleine Säckchen, die sogenannten Zahnbälge oder Zahnsäckchen. Der Durchbruch der ersten Milchzähne erfolgt etwa im sechsten bis siebten Lebensmonat.

Zuerst erscheinen die inneren Schneidezähne des Unterkiefers, kurz darauf die des Oberkiefers. Nach etwa vier bis sechs Wochen folgen die äußeren Schneidezähne, dann im zwölften bis sechzehnten Monat die ersten Backenzähne, danach die Eckzähne und schließlich im zwanzigsten bis dreißigten Monat die zweiten Backenzähne.

Das komplette Milchgebiss besteht aus 20 Zähnen und wird etwa im siebten oder achten Lebensjahr durch die bleibenden Zähne ersetzt. Interessant ist, dass die Milchzähne im Unterkiefer im Allgemeinen etwas früher durchbrechen als die entsprechenden Zähne im Oberkiefer.

Ein Leben lang – der Zahn im Alter

Obwohl ein vollständig ausgebildeter Zahn nicht mehr wächst, bleibt er ein lebendiges Gebilde unseres Körpers. Er unterliegt einem Stoffwechsel, und von der Zahnhöhle aus können Nährstoffe in die Kanälchen des Zahnbeins eindringen.

Im vorgerückten Alter fallen in der Regel die Zähne aus. Die dann eventuell nachwachsenden Zähne sind entweder echte Neubildungen oder im Kiefer stecken gebliebene Zähne, deren Durchbruch zuvor durch Nachbarzähne verhindert wurde.

Besondere anatomische Varianten

Wie bei vielen Merkmalen des menschlichen Körpers gibt es auch bei den Zähnen anatomische Varianten. Bei manchen Menschen kommen überzählige Zähne vor – entweder an der Außen- oder Innenseite der Zahnreihe. In seltenen Fällen kann das Gebiss sogar acht Mahlzähne pro Kiefer aufweisen, ein Merkmal, das gelegentlich auch beim Orang-Utan beobachtet wird. Auch der Weisheitszahn kann in seltenen Fällen komplett fehlen oder in überzähliger Form auftreten.

Zu den häufigeren Anomalien gehören Versetzungen von Zähnen, etwa wenn Eckzähne mitten im Kiefer stehen, oder das Auftreten von Zähnen am Gaumen, in der Nasenhöhle oder am Zahnfleisch. Auch Verwachsungen, besonders an den Schneidezähnen des Oberkiefers, sind keine Seltenheit.


Verwendete Quellen:

  • Brockhaus (1885-1898)
  • Meyers Lexikon (1885-1898)