Verrückte historische Zahn-Rezepte – Die Geheimmittel-Sammlung
Verrückte historische Zahn-Rezepte – Die Geheimmittel-Sammlung
Thema: Die kuriosesten Zahnpflege-Produkte aus dem 19. Jahrhundert – wirkungslos oder sogar gefährlich
Quellen:
- Brockhaus (1885-1898)
- Meyers Lexikon (1885-1898)
- Drogisten-Handbuch (1885-1898)
Wenn Zahnärzte zu Quacksalbern wurden
Das 19. Jahrhundert war die Blütezeit der sogenannten Geheimmittel – Präparate, die mit vagen Heilsversprechen verkauft wurden und deren wahre Zusammensetzung oft im Dunkeln blieb. Die Zahngesundheit bildete dabei ein beliebtes Absatzgebiet für findige Unternehmer.
Die etablierte Medizin jener Zeit warnte eindringlich vor diesen Produkten. In zahlreichen Publikationen wurden die wahren Zusammensetzungen enthüllt und die überhöhten Preise angeprangert. Der Unterschied zwischen Verkaufspreis und wahrem Wert war oft enorm: Produkte, die vielleicht 20 bis 30 Pfennig kosteten, wurden für 2 bis 6 Mark verkauft – ein Vielfaches des eigentlichen Werts!
Die kuriosesten Geheimmittel
Zahnhalsbänder von Otto Glatte – Der absolute Wahnsinn
Die Kuriosität schlechthin: Zahnhalsbänder! Drei Papierstreifen mit Kupfervitriol-, Zinkvitriol- und Braunsteinpulver, in Samtband eingenäht – angeblich gegen Zahnschmerzen.
Bewertung: “Wertlos!”
Elektromotorische Zahnhalsbänder – Der Betrug
Noch verrückter: “Elektromotorische” Zahnhalsbänder, die mit Schwefel bestrichen und in Samt eingenäht wurden. Sie sollten “elektrische Heilkraft” besitzen.
Preis: 1-2 Mark Wert: 20 Pfennig Bewertung: “ganz wirkungslos”
Zahnrenovator – Die Gefährliche Chemikalie
Der “Zahnrenovator” von R. Mohrmann war besonders perfide: Eine pfefferminzhaltige, mäßig starke Salzsäure, die die Zähne “gründlich zerstörte”!
Preis: 2 Mark Wert: 20 Pfennig
Zahnschöne – Das Teure Pulver
“Zahnschöne” von Kothe war ein Zahnpulver aus Alaun, kohlensaurem Kalk und Pfefferminzöl – nicht mehr, nicht weniger.
Anatherin-Mundwasser von Popp – Der Bestseller
Das erfolgreichste Produkt: Eine komplexe Mischung aus diversen Hölzern und Tinkturen.
Preis: 100g = 3 Mark
Indischer Zahnextrakt – Das schnelle Mittel
Der “Indische Zahnextrakt” von Bäuchler wurde als schnelle Hilfe gegen Zahnschmerzen angepriesen. In Wirklichkeit war es eine einfache Lösung von Nelkenöl und Kampfer in Weingeist und Äther – weit weniger wirksam als behauptet.
Sozodont – Der amerikanische Klassiker
“Sozodont” von van Buskirck war ein beliebtes amerikanisches Produkt zur Konservierung und Reinigung der Zähne. Es bestand aus einer Lösung von Ölseife in Glycerin, Wasser und Weingeist sowie einem Pulver aus kohlensaurem Kalk, Magnesia und Veilchenwurzel. Der Preis von 3 Mark stand einem wahren Wert von nur 50 Pfennig gegenüber.
Zahnelixir der Benediktinermönche – Das spirituöse Elixir
Das “Zahnelixir der Benediktinermönche” war eine stark alkoholische, mit Cochenille gefärbte Lösung von Pfefferminzöl, Anisöl und Nelkenöl. Es sollte angeblich besonders heilsam für die Zähne sein.
Zahntinktur von Wundram – Das Teure Öl
Die “Zahntinktur von Wundram” bestand aus 15 Teilen Weingeist, 35 Teilen Pfefferminzöl und 50 Teilen Cajeputöl. Für 50 Pfennig war dies mindestens 30 Pfennig zu teuer!
Zahnwasser von Kothe – Der einfache Weingeist
Das “Zahnwasser von Kothe” war ein mit Pfefferminzöl parfümierter Weingeist, der mitunter auch Spuren von Salicyl- oder Carbolsäure enthielt – mehr nicht.
Katharol – Das schwache Wasser
“Katharol” war ein Mundwasser vom Medizinischen Warenhaus in Berlin, das lediglich aus einer schwachen Lösung von Wasserstoffsuperoxyd bestand. Wert: 20 Pfennig, von geringer Wirkung.
Dentila – Das Zahnheilmittel
Eines der Produkte jener Zeit war “Dentila”, ein Zahnheilmittel, das als “wenig wirksame Mischung aus Myrrhentinktur, Löffelkrautspiritus, Ratanhiatinktur, Pfefferminzöl und Nelkenöl” beschrieben wurde. Der Preis betrug 2 Mark – bei einem wahren Wert von etwa 20 Pfennig.
Die Warnungen der Wissenschaft
Die etablierte Medizin des 19. Jahrhunderts warnte bereits eindringlich vor diesen Geheimmitteln. In zahlreichen Publikationen wurden die wahren Zusammensetzungen enthüllt und die überhöhten Preise angeprangert. So bedeutende Werke wie “Die Geheimmittel- und Unsittlichkeitsindustrie” von Beta (Berlin 1872) oder “Das Geheimmittelunwesen” von H.E. Richter (Leipzig 1872-1875) nahmen die Branche kritisch unter die Lupe.
Der Unterschied zwischen Verkaufspreis und wahrem Wert war oft enorm: Produkte, die vielleicht 20 bis 30 Pfennig kosteten, wurden für 2 bis 6 Mark verkauft – ein Vielfaches des eigentlichen Werts.
Fazit
Die Welt der Zahnpflege im 19. Jahrhundert war geprägt von echten Innovationen – aber auch von massivem Betrug. Die Grenze zwischen nützlichen Produkten und teuren Quacksalbereien war oft fließend.
Viele der “Geheimmittel” enthielten durchaus wirksame Substanzen wie Myrrhe, Salicylsäure oder ätherische Öle – aber der Preis war meistens völlig überzogen. Die Wissenschaft jener Zeit versuchte bereits, Licht in das Dunkel zu bringen.
Verwendete Quellen:
- Brockhaus (1885-1898)
- Meyers Lexikon (1885-1898)
- Drogisten-Handbuch (1885-1898)
Anmerkung: Diese Rezepte stammen aus dem 19. Jahrhundert und dienen nur historischen und dokumentarischen Zwecken. Sie sollten nicht nachgemacht werden!