Mundkrankheiten heute – Von Stomatitis bis Krebs

Mundkrankheiten heute – Von Stomatitis bis Krebs

Thema: Moderne Mundschleimhaut-Erkrankungen und ihre Behandlung


Die Mundschleimhaut ist ein empfindliches Gewebe. Sie steht jeden Tag im Kontakt mit Nahrung, Getränken, Bakterien und Pilzen. Da ist es kein Wunder, dass manchmal Probleme auftreten.

Die gute Nachricht: Die meisten Mundkrankheiten sind harmlos und heilen von selbst. Andere sind ernst, aber gut behandelbar – wenn sie früh erkannt werden.

In diesem Artikel erfahren Sie alles über die wichtigsten Erkrankungen der Mundschleimhaut.


Stomatitis – Wenn die Mundschleimhaut sich entzündet

Stomatitis ist der medizinische Fachbegriff für eine Entzündung der Mundschleimhaut. Das Wort kommt aus dem Griechischen: Stoma bedeutet Mund, -itis bedeutet Entzündung.

Die Ursachen sind vielfältig. Infektionen durch Viren, Bakterien oder Pilze können Stomatitis auslösen. Allergien gegen Nahrungsmittel oder Medikamente sind eine weitere Ursache. Chronische Reizungen durch Zahnspangen, schlecht sitzende Prothesen oder starkes Rauchen können das Gewebe ebenfalls entzünden. Sogar systemische Erkrankungen wie Diabetes oder Autoimmunerkrankungen können sich an der Mundschleimhaut zeigen.

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Die Grunderkrankung muss behandelt werden. Mundspülungen können die Heilung unterstützen und Schmerzen lindern. Wichtig ist auch, Reizfaktoren zu beseitigen – etwa eine schlecht sitzende Prothese anzupassen oder mit dem Rauchen aufzuhören.


Mundsoor – Der Pilz im Mund

Mundsoor, medizinisch als Candidose oder Soor bezeichnet, ist eine Pilzinfektion der Mundschleimhaut. Der häufigste Erreger ist Candida albicans – ein Hefepilz, der erstaunlicherweise bei etwa 70 Prozent aller gesunden Menschen als harmloser Bewohner im Rachen, in der Speiseröhre und im Darm vorkommt.

Er wird erst zum Problem, wenn das Immunsystem geschwächt ist. Dann kann er sich übermäßig vermehren und die typischen Symptome verursachen.

Besonders betroffen sind Babys und Kleinkinder, deren Immunsystem noch nicht vollständig entwickelt ist. Ältere Menschen mit Prothesen sind gefährdet, weil der Bereich unter der Prothese feucht und warm ist – perfekte Bedingungen für Pilzwachstum. Menschen mit geschwächtem Immunsystem, Diabetiker und Patienten nach einer Antibiotikatherapie sind ebenfalls besonders anfällig.

Die Symptome sind unverkennbar. Weiße, abwischbare Beläge bilden sich auf der Mundschleimhaut. Die betroffenen Stellen brennen und sind gerötet. Manchmal kommt ein metallischer Geschmack hinzu.

Die Behandlung erfolgt mit Antimykotika – Medikamenten, die Pilze abtöten. Gute Mundhygiene ist ebenfalls wichtig, und bei Prothesenträgern muss die Prothese gründlich gereinigt werden.


Aphthen – Die schmerzhaften Bläschen

Aphthen sind kleine, schmerzhafte Geschwüre im Mund. Sie sind nicht ansteckend – das ist ein wichtiger Unterschied zu den Bläschen bei Herpes.

Die genauen Ursachen sind nicht vollständig geklärt. Vermutlich entstehen Aphthen durch Mikrotraumata – winzige Verletzungen der Mundschleimhaut, etwa durch versehentliches Beißen oder scharfe Zahnkanten. Stress, hormonelle Veränderungen und bestimmte Nahrungsmittel können das Risiko erhöhen. Ein Mangel an Vitamin B12, Eisen oder Folsäure spielt ebenfalls eine Rolle. Bei der Erkrankung Morbus Behçet treten Aphthen als eines der Hauptsymptome auf.

Die gute Nachricht: Meist heilen Aphthen von selbst innerhalb von ein bis zwei Wochen. Schmerzlindernde Gels und Mundspülungen können die Zeit erleichtern. In schweren Fällen, wenn die Aphthen besonders groß sind oder immer wiederkehren, sollte ein Arzt aufgesucht werden.


Herpes im Mund – Mehr als nur Lippenbläschen

Wenn von Herpes die Rede ist, denken die meisten an die lästigen Bläschen auf den Lippen. Aber das Herpes-simplex-Virus kann auch den Mund befallen.

Die Erstinfektion passiert meist im Kindesalter und wird als Gingivostomatitis herpetica bezeichnet. Sie ist weitaus unangenehmer als die späteren Lippenbläschen. Neben Bläschen im Mund treten hohes Fieber, Schluckbeschwerden und starke Schmerzen auf. Das Kind fühlt sich sehr krank.

Die Behandlung erfolgt mit Virostatika, die die Vermehrung des Virus hemmen. Schmerzlindernde Mittel und ausreichendes Trinken sind ebenfalls wichtig.

Nach der Erstinfektion bleibt das Virus ein Leben lang im Körper. Bei vielen Menschen bricht es später als Lippenherpes aus – weniger schlimm, aber genauso ansteckend.


Lichen planus – Die chronische Erkrankung

Lichen planus ist eine chronische, entzündliche Autoimmunerkrankung, die verschiedene Körperstellen betreffen kann – darunter auch die Mundschleimhaut.

Die Mundschleimhautform zeigt sich typischerweise durch weiße, netzartige Streifen, besonders auf der Wangenschleimhaut. Diese sogenannten Wickham-Streifen sind charakteristisch. Die Erkrankung kann auch die Haut und die Genitalien betreffen.

Lichen planus ist chronisch, aber meist harmlos. Ein wichtiger Aspekt: Bei etwa einem Prozent der Betroffenen entwickelt sich Krebs aus den Läsionen. Deshalb sind regelmäßige Kontrollen beim Zahnarzt oder Hautarzt unerlässlich.

Die Behandlung konzentriert sich auf die Symptome. Kortisonhaltige Mundspülungen können die Entzündung reduzieren. Die Ursachentherapie steht im Vordergrund, wenn Grunderkrankungen identifiziert werden können.


Mundkrebs – Die ernste Erkrankung

Mundkrebs, genauer das Mundhöhlenkarzinom, ist eine bösartige Tumorerkrankung. Wie in Artikel 12 bereits beschrieben, sind Rauchen und Alkohol die größten Risikofaktoren, und das Risiko steigt dramatisch bei Kombination beider.

Die Warnzeichen sollten Sie kennen: Weiße oder rote Flecken im Mund, die nicht vergehen, schmerzlose Wunden, die nicht heilen, Schluckbeschwerden, Taubheitsgefühle oder plötzlich lockere Zähne ohne erkennbaren Grund.

Früherkennung ist entscheidend. Regelmäßige Zahnarztbesuche sind wichtig, weil der Zahnarzt Veränderungen bemerkt, die dem Laien verborgen bleiben.


Noma – Die vergessene Krankheit

Noma, auch Wangenbrand oder Cancrum oris genannt, ist eine schwere bakterielle Erkrankung, die sich auf der Mundschleimhaut entwickelt und von dort aus andere Weichteil- und Knochenteile des Gesichts zerfrisst.

Diese Krankheit tritt fast ausschließlich bei unterernährten Kindern in Entwicklungsländern auf. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass jährlich zwischen 80.000 und 90.000 Kinder an Noma sterben. Die Dunkelziffer ist hoch, weil die Krankheit in vielen betroffenen Regionen nicht erfasst wird.

In Europa ist Noma sehr selten. Sie tritt hier nur bei schwerkranken, immungeschwächten Patienten auf – etwa bei AIDS oder nach Chemotherapie.

Die Krankheit beginnt als Entzündung des Zahnfleischs, die sich rasch ausbreitet. Innerhalb weniger Tage können große Teile der Gesichtsknochen zerstört werden. Die Behandlung ist schwierig und umfasst Antibiotika, Chirurgie und plastische Chirurgie zur Wiederherstellung.


Was tun bei Mundproblemen?

Wann sollten Sie zum Arzt? Wenn Veränderungen im Mund länger als zwei Wochen bestehen, sollten Sie einen Fachmann aufsuchen. Bei Schmerzen, die nicht vergehen, bei weißen oder roten Flecken, bei Schluckbeschwerden oder unerklärlichen Blutungen ist ein Arztbesuch dringend ratsam.

Die Vorbeugung ist einfach: Gute Mundhygiene ist die Basis. Nicht rauchen, wenig Alkohol, gesunde Ernährung und regelmäßige Zahnarztbesuche sind die wirksamsten Maßnahmen gegen die meisten Mundkrankheiten.


Ein Wort zum Schluss

Mundkrankheiten sind vielfältig – von harmlosen Aphthen, die von selbst heilen, bis zu lebensbedrohlichem Krebs. Die gute Nachricht: Die meisten sind heilbar, wenn sie früh erkannt werden.

Verändern Sie Ihre Mundschleimhaut? Zögern Sie nicht, zum Zahnarzt zu gehen. Ein kurzer Termin kann Leben retten.