HerrHohlbein

Herr Hohlbein

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Die Geschichte der Post: Vom cursus publicus zum Weltpostverein

Quellen: Meyers Lexikon (Band 12, S. 274-277), Brockhaus (Band 13, S. 329-331)


Die Anfänge: Römisches Postwesen

Schon im römischen Weltreich existierte ein ausgeklügeltes Postsystem: der cursus publicus. Die Hauptstützpunkte der staatlichen Post waren die an bedeutenderen Handels- und Verkehrsorten errichteten mansiones, welche zum Ausruhen und Verweilen der Reisenden während der Nacht dienten und meist je eine Tagereise voneinander entfernt waren. Zwischen je zwei Mansionen befanden sich 6 bis 8 Mutationen für den Pferdewechsel.

Der Stellung der Beförderungsmittel oblag der Bevölkerung der Poststation und gestaltete sich zu einem schweren Frondienst. In eiligen Fällen fanden ganze Truppenabteilungen mit ihren Ausrüstungsgegenständen durch den cursus publicus Beförderung.


Mittelalterliche Botenposten

Nach dem Zerfall des Römischen Reiches entstanden im 7. Jahrhundert im mohammedanischen Kalifenreich geregelte Postinstitute, die erstmals auch Privaten ihre Dienste liehen.

Im mittelalterlichen Deutschland entwickelten sich verschiedene Formen der Nachrichtenbeförderung. Klosterboten waren Ordensbrüder für den Verkehr zwischen Klöstern. Universitätsboten gab es seit dem 12. und 13. Jahrhundert. Metzgerposten nutzten Metzger ihre Geschäftsreisen für Briefbeförderung. Städteboten wurden unter Botenmeister organisiert und betrieben seit dem 13. Jahrhundert regelmäßigen Hansestädte-Verkehr. Der Deutsche Ritterorden unterhielt Postverbindungen seit dem 14. Jahrhundert.


Die Taxisschen Posten

1516 gründete Franz von Taxis, angeregt durch Kaiser Maximilian I., die erste wirkliche Postverbindung zwischen Wien und Brüssel. Sein Vater Roger I. von Thurn und Taxis hatte bereits in Tirol uniformierte Postreiter aufgestellt.

Bald erweiterten die Taxis jenen ersten Postkurs durch Abzweigungen von Brüssel nach Frankreich und von Wien durch Tirol bis Rom. Hieran schlossen sich Postkurse zwischen Nürnberg, Frankfurt am Main und Schaffhausen an, während sich nach Norden der Taxissche Postenlauf bis Hamburg erstreckte.

1615 wurde Lamoral von Taxis zum Reichs-Generalpostmeister ernannt. Bis in das 19. Jahrhundert währte der Kampf zwischen dem Haus Taxis und den Landesfürsten, die die Posthoheit in ihren Gebieten beanspruchten.


Die Post in Preußen und Deutschland

Der Große Kurfürst war 1651 der erste deutsche Fürst, der das Postwesen in seinen Landen selbst in die Hand nahm: die brandenburgisch-preußische Post.

Nach dem Rheinbund wurden die Taxisschen Posten weiter eingeschränkt. Am 18. Oktober 1847 trat in Dresden eine deutsche Postkonferenz zusammen, die zum Deutsch-Österreichischen Postvereinsvertrag führte, der am 1. Juli 1850 in Kraft trat.

Durch die Ereignisse von 1866 wurde die Thurn und Taxissche Post Preußens ermöglicht. Am 1. Januar 1868 wurde das Postwesen für das gesamte Norddeutsche Bundesgebiet als einheitliche Staatsverkehrsanstalt eingerichtet.


Das internationale Postwesen

England

Karl I. kann als der eigentliche Schöpfer der englischen Postverfassung betrachtet werden. Er verpachtete das Postwesen für 7000 Pfund Sterling.

1784 wurde das Institut der Mail-coaches eingeführt – die ersten Postkutschen zwischen London und Bristol.

1839 kam Rowland Hills großer Plan zur Beratung: die Einführung des einheitlichen Portos von 1 Penny für Briefe bis zu einem halben Unze nach allen Entfernungen. 1840 trat das neue System ins Leben – gleichzeitig wurden die Briefmarken eingeführt.

Frankreich

Ludwig XI. schuf 1464 eine Botenanstalt – hier trat erstmals die Bezeichnung „postes” auf. Der Name „Post” verbreitete sich von hier aus in andere Staaten.

Österreich-Ungarn

1615 errichtete Österreich eine eigene Territorialpost und verpachtete 1627 das Postwesen an den Grafen von Paar.


Der Weltpostverein

1874 tagte in Bern ein internationaler Postkongreß, der zum Allgemeinen Postvereinsvertrag vom 9. Oktober 1874 führte.

Dieser Vertrag schuf für das Postwesen einen völkerrechtlichen Verband, wie er bei keinem anderen Zweige des internationalen Völkerlebens besteht. Er behandelt das Gesamtgebiet der vertragschließenden Staaten als ein einziges Postgebiet.

1878 wurde der Allgemeine Postverein zum Weltpostverein erweitert.

Statistik von 1888

Der Weltpostverein umfasste 1888 einen Flächenraum von 80 Millionen Quadratkilometern mit 830 Millionen Einwohnern. Der Briefverkehr wuchs von 3.300 Millionen Stück 1874 auf 7.030 Millionen Stück 1883.

Einheitliche Taxen seit 1878

Ein Brief bis 15 Gramm kostete 20 Pfennig nach aller Welt. Eine Postkarte kostete 10 Pfennig. Eine Drucksache kostete 5 Pfennig.

Während vor der Begründung der Weltpost für den Verkehr Deutschlands mit dem Ausland 55 verschiedene Portosätze für Briefpostgegenstände in Geltung waren, konnte man nun durch einen Brief für 20 Pfennig, eine Postkarte für 10 Pfennig und eine Drucksache für 5 Pfennig nach den Wohnstätten des ganzen Erdenrunds in Korrespondenz treten.


Länderübersicht 1887

Deutschland verfügte über 18.686 Postanstalten mit 931.516 Briefen und Postkarten und Gesamteinnahmen von 252.933.664 Frank. Frankreich mit Algerien und Tunesien kam auf 7.296 Postanstalten mit 1.338.090 Briefen und Postkarten bei 172.945.928 Frank Einnahmen. Großbritannien hatte 17.191 Postanstalten mit 1.982.167 Briefen und Postkarten und 211.779.950 Frank Einnahmen. Österreich kam auf 4.347 Postanstalten mit 294.686 Briefen und Postkarten und 65.917.757 Frank Einnahmen. Die Vereinigten Staaten hatten 54.489 Postanstalten mit 57.407 Briefen und Postkarten und 227.712.036 Frank Einnahmen. Japan schließlich verfügte über 4.054 Postanstalten mit 66.185 Briefen und Postkarten und 23.769.880 Frank Einnahmen.


Quellen: Meyers Lexikon, Brockhaus, ca. 1890; Stand: 2026