Gasthaus und Hotel: Die Geschichte der Reiseunterkünfte
Quellen: Meyers Lexikon (Band 6, S. 946-947); Brockhaus (Band 7, S. 374-375)
Die Gastfreundschaft im Altertum
Die Sitte der Gastfreundschaft, xenia, gehört zu den ältesten Kulturtraditionen. Bei den Griechen wurde sie als heilige Pflicht betrachtet. Die Gastfreundschaft wurde durch ein gemeinsames Trinkopfer, symbolum, geschlossen und konnte nur durch förmliche Aufkündigung wieder gelöst werden. Außerdem hatte sie bindende Kraft und galt für heilig und unverletzlich. Der Proxenos, ein Bürger des Staates, innerhalb dessen er den Fremden vertrat, glich den heutigen Konsuln.
Im Orient
Im Orient wird die Gastfreundschaft noch heutzutage als heilige Pflicht angesehen. Besonders die Beduinen der syrischen und arabischen Wüste üben sie ungeachtet ihres Räuberlebens in so strenger Weise, dass ihnen selbst der Todfeind, wenn er als Gast ihre Hütte betritt, für unverletzlich und schutzberechtigt gilt.
Antike Herbergen
Griechenland
In Athen und Sparta gab es schon früh Leschen, Erholungsorte, wo man zum Plaudern zusammenkam und auch übernachtete. Später entstanden die Pandokeen, Allherbergen, in welchen wohl auch angesehenere Fremde im Notfall ein Unterkommen suchten, obgleich in dergleichen Häusern nicht einmal für die notwendigsten Bedürfnisse der Einkehrenden, geschweige denn für ihre Bequemlichkeit gesorgt war.
Rom
Bei den Römern unterschied man Deversoria, bessere Herbergen für Reisende, Cauponae oder Tabernae, Schenkhäuser für die niedere Klasse, und Popinae, Garküchen. Auch die Sitte, solchen Häusern besondere Namen und Schilder zu geben, lässt sich weit in das Altertum zurück verfolgen.
Das Mittelalter
Im Mittelalter traten oft Burgen und Klöster für die Mangelhaftigkeit der Gasthäuser ein. Noch in der Mitte des 16. Jahrhunderts weiß Erasmus von Rotterdam nur Unrühmliches von deutschen Gasthäusern zu melden.
Zahlenmäßige Beschränkung
Die Zahl der Gasthäuser eines Ortes oder Bezirks war früher meist festgesetzt, so dass dieselbe ohne Zustimmung der Berechtigten nicht vermehrt, wohl aber die Gastgerechtigkeit von einem Haus in ein andres verlegt oder verkauft werden konnte.
Die Entstehung des Hotels
Das erste „Hotel”
Hotels im heutigen Sinn entstanden in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts zuerst in Paris und fanden bald in andern Ländern, in Deutschland vielfach unter dem Namen Hof, Nachahmung. Das Wort Hotel bezeichnete ursprünglich ein großes, prächtiges Gebäude, den adligen Wohnsitz in der Stadt. Das Hotel liegt meist nicht unmittelbar an der Straße, sondern wird von ihr durch den Ehrenhof, cour d’honneur, und ein eisernes Gitter oder einen niedrigen Thorbau geschieden.
Das moderne Hotelwesen
Der Eisenbahnverkehr hat auch das Hotelwesen außerordentlich gehoben. Die amerikanischen Riesenhotels bürgerten sich in London, Paris und Berlin ein, und es bildete sich für die Hotels ersten Ranges ein gewisses internationales Gepräge aus.
Das Hotelwesen um 1890
Arten von Hotels
Jahreshotels hatten das ganze Jahr über Betrieb. Saisonhotels nur zeitweise. Passantenhotels dienten Gästen für gewöhnlich nur kurz. Familienhotels boten Aufenthalte von längerer Dauer. Terminushotels befanden sich auf Hauptstationen der Eisenbahnen.
Erforderliche Räume
Verbindungsräume umfassten Eingangshalle oder Vestibül, Haupttreppe, Aufzüge und Korridore. Gesellschaftsräume beinhalteten Speisesäle, Konversationssäle, Lese-, Rauch-, Spiel- und Musikzimmer. Wohn- und Schlafräume boten Einzel-, Doppel- und Wohnzimmer sowie Familienwohnungen. Toilettenräume verfügten über Bade- und Waschvorrichtungen sowie Klosetts. Betriebsräume enthielten Küche, Vorratskammern und Reinigungsräume.
Moderne Annehmlichkeiten
Für höhere Ansprüche des Komforts waren erforderlich: Centralheizung, Wasserleitung für kaltes und warmes Wasser, elektrisches Licht, zum Teil Telephonverbindung, oft auch eigenes Postbureau, Verkauf von Eisenbahnfahrkarten, Gepäckbeförderung und anderes mehr.
Inventar eines Hotels
Ein Hotel für 200 Herrschaften, etwa 300 Personen, kostete inventarseitig etwa 375.000 Francs. Davon entfielen auf Möbel etwa 154.700 Francs, auf Betten und Teppiche etwa 101.870 Francs, auf Wäsche etwa 48.230 Francs, auf Ess- und Trinkgeschirr etwa 62.494 Francs und auf die Kücheneinrichtung etwa 5.000 Francs. Gut geschultes Personal und eine wohldurchdachte Organisation mit fester Bestimmung der Vollmacht und der Pflichten eines jeden Einzelnen waren Haupterfordernisse.
Das Hotelgewerbe in Zahlen
Schweiz
Die Schweiz verfügte um 1883 über etwa 1.000 Fremdenhotels mit einem Anlagekapital von 325 bis 375 Millionen Francs. Das Inventar hatte einen Wert von 80 Millionen Francs. Es gab 60.000 Fremdenbetten und 1.600 Angestellte. Der Bruttoumsatz betrug 60 bis 70 Millionen Francs.
Das Hotel „Furni” (Meublé)
Eine Art des Hotelbetriebes, die sich vorwiegend mit der Beherbergung und nur teilweise mit der Bewirtung der Gäste befasst. Meist werden außer Frühstück nur Kleinigkeiten verabreicht.
Rechtliche Stellung
In Bezug auf Konzession und Rechtsverhältnisse stehen die Hotels den Gastwirtschaften gleich.
Entwicklungstrends
Internationalisierung
Aus den Herbergen und Gasthöfen hervorgegangen, hat das Hotelwesen unter Einführung des durch Eisenbahn und Dampfschiffahrt gesteigerten Reiseverkehrs einen internationalen Charakter angenommen.
Die ersten großen Hotels
Die ersten großen Hotelanlagen entstanden in Paris, gefolgt von London. Die Schweiz und Deutschland schlossen sich an, ebenso Belgien, Österreich und Italien. Rußland kam hinzu. Amerika schließlich bot gegenwärtig die großartigsten Anlagen.
Quellen: Meyers Lexikon, Brockhaus, ca. 1890; Stand: 2026