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Baedeker und die Reiseführer: Die Geschichte der Reisehandbücher

Quellen: Brockhaus (Band 2, S. 257-258); Stand: ca. 1890


Die Anfänge: John Murray und das englische Vorbild

Bevor Karl Baedeker seine berühmten Reiseführer schuf, gab es bereits John Murray in London, dessen Handbooks for Travellers das Vorbild für alle späteren Reisehandbücher wurde. Als Vorbild dienten ihm die englischen Reisehandbücher von John Murray, die er bei den damals rheinaufwärts nach der Schweiz und Italien reisenden Engländern sah.

Die Murrayschen Handbücher zeichneten sich durch praktische Informationen für englische Touristen, zuverlässige Karten und Pläne, Beschreibung von Sehenswürdigkeiten und Empfehlungen für Unterkünfte aus.


Karl Baedeker: Der Gründer

Biografie

Karl Baedeker, Buchhändler und Begründer der unter seinem Namen bekannten Reisehandbücher, wurde am 3. November 1801 zu Essen geboren. 1827 gründete er eine Buchhandlung in Koblenz. 1828 kaufte er Kleins Rheinreise und begann damit seine Karriere als Reisebuchverleger. 1831 erweiterte er sein Programm um Reisehandbücher für Belgien und Holland. 1842 erschien das Handbuch für Reisende durch Deutschland und den österreichischen Kaiserstaat. 1844 kam die Schweiz hinzu. 1855 folgte Paris und Umgebung.

Die Baedeker-Familie

Das Verlagshaus entwickelte sich über Generationen. Gottschalk Diederich Baedeker gründete die Buchhandlung in Essen. Karl Baedeker (1801-1859) schuf den berühmten Reiseführer-Verlag. Ernst Baedeker (1833-1861) und Karl Baedeker (1837) führten ihn weiter. Fritz Baedeker (1844) wurde 1869 Teilhaber. Gustav Baedeker (1848) und Diederich Baedeker (1850) leiteten den Verlag zur Zeit der Jahrhundertwende. 1872 wurde der Verlag nach Leipzig verlegt, behielt aber die Firma Karl Baedeker bei.


Die Baedeker-Tradition

Grundprinzip: Selbst bereist

Vor jeder neuen Auflage bereiste Baedeker die beschriebenen Gegenden regelmäßig selbst und erreichte dadurch für seine Bücher eine Zuverlässigkeit und praktische Brauchbarkeit, wie sie bei Werken dieser Art bisher nicht bekannt war. Dieses Prinzip wurde zum Qualitätsstandard.


Das Baedeker-Programm um 1890

Abgedeckte Regionen

Die Rheinlande erschienen in bis zu 20 bis 24 Auflagen. Die Schweiz, Deutschland und Österreich, Belgien und Holland sowie Paris wurden in mehrfachen Auflagen verlegt. Palästina und Syrien erreichten 1891 die dritte Auflage. Nordamerika wurde ebenfalls abgedeckt. Für Weltstädte wie Berlin, London und Paris gab es Monographien.

Sprachausgaben

Ab 1857 erschienen erste französische Ausgaben, ab 1861 erste englische Ausgaben. Um 1890 umfasste das Programm mehrsprachige Ausgaben für verschiedene Regionen.


Das Prinzip der Aktualisierung

Häufige Neuauflagen

Die Sammlung der Reisehandbücher wurde durchschnittlich alle zwei bis drei Jahre in neubearbeiteten, auch kartographisch stets vervollkommneten Auflagen herausgegeben. Manche erreichten bis zu 20 bis 24 Auflagen.

Kartenqualität

Baedeker war bekannt für stets aktualisierte Karten, genau eingezeichnete Eisenbahnlinien, markierte Wanderwege und detailgetreue Stadtpläne.


Andere Reisehandbuch-Verlage

Spezialisierte Verlage

John Murray spezialisierte sich auf England und Europa. Joanne war der Konkurrent für Österreich-Ungarn. Michelin veröffentlichte ab 1900 Straßenkarten und Restaurantführer.


Die Bedeutung der Reiseführer

Demokratisierung des Reisens

Die Reiseführer trugen wesentlich zur Demokratisierung des Reisens bei. Sie boten Information für alle, auch ohne lokale Kontakte konnte man nun reisen. Mehrsprachige Ausgaben halfen, Sprachbarrieren zu überwinden. Historische Hintergründe förderten kulturelle Bildung. Fahrpläne, Hotelempfehlungen und Restauranttipps lieferten praktische Hilfe.

Im deutschen Sprachgebrauch wurde Baedeker zum Synonym für Reiseführer schlechthin.


Fazit: Baedekers Beitrag zum Tourismus

Karl Baedeker revolutionierte das Reisen, indem er zuverlässige Informationen für jedermann zugänglich machte, selbst alle beschriebenen Orte bereiste, seine Bücher ständig aktualisierte, ein vollständiges europäisches Programm aufbaute und mehrsprachige Ausgaben anbot.

Sein Grundsatz, vor jeder neuen Auflage die beschriebenen Gegenden regelmäßig selbst zu bereisen, wurde zum Qualitätsstandard für alle nachfolgenden Reiseführer.


Quellen: Brockhaus, ca. 1890; Stand: 2026