Die Handelsstraßen: Von der Seidenstraße zum Welthandel
Quellen: Meyers Lexikon (Band 7, S. 70-71); Stand: ca. 1890
Die Anfänge: Phönizischer Handel
Das Volk der Händler
Das Verdienst, einen ökonomischen Zusammenhang Asiens mit Südeuropa hergestellt zu haben, gebührt indessen erst den Phönikern. Die Phöniker entwickelten vom 10. bis 8. Jahrhundert vor Christus ihre Handelsmacht in Tyros zur höchsten Entfaltung. Sie beherrschten den Seeverkehr im ganzen Mittelmeer, Arabischen und Persischen Meer. Ihr Landhandel erstreckte sich über Palästina, Syrien, Arabien, Ägypten, Persien und Babylonien. Sogar bis in die Nord- und Ostsee reichte ihr Nordhandel. Zu den wichtigen Rohstoffen gehörten Zinn von den Kassiteriden und Bernstein.
Phönikische Kolonien bedeckten die Küstenstriche und Inseln des Mitteländischen und Roten Meers und des Persischen Golfs.
Griechischer Handel
Kolonisation und Seefahrt
Die Griechen verdrängten die Phöniker allmählich aus der Ägäis und gründeten eigene Kolonien. Milet, Korinth, Ägina und Rhodos wurden wichtige Mittelpunkte des Verkehrs.
Der Alexander-Handel
Alexander der Große gründete Alexandria an einer der Mündungen des Nils, um den Handel zwischen dem ganzen Osten und Westen zu beherrschen. Alexandria erhob sich bald zu einer der bedeutendsten Handelsstädte.
Römisches Handelssystem
Im Gegensatz zu dem bisher geschilderten Zusammentreffen politischer und wirtschaftlicher Kultur bietet das römische Weltreich das Bild einer Großmacht, welche dem Erwerb und Handel keinen Aufschwung zu geben, sondern nur die von andern errungenen Erfolge rücksichtslos auszunutzen und schließlich zu vernichten verstand. Die Römer konzentrierten Handel auf den Getreide-Nachschub für Italien, während Schiffe mit Ballast zurückkehrten.
Byzantinischer und arabischer Handel
Konstantinopel als Brücke
Nach dem Zerfall Roms wurde Konstantinopel das Verbindungsglied zwischen Morgenland und Abendland. Im byzantinischen Reich wurde Konstantinopel ein Verbindungsglied der morgenländischen und abendländischen Welt.
Die arabische Handelsmacht
Der Handel der Araber umfasste als Landhandel einen großen Teil von Vorderasien bis Indien, die pontischen Gebiete, das nördliche Afrika und das südwestliche Europa. Als Seehandel beherrschte er das Mittelmeer, die Hafenplätze vom Arabischen Meer bis zu den afrikanischen Küsten und vom Persischen Meerbusen bis nach Indien und China.
Die venezianisch-genuesische Blütezeit
Venedig und Genua
Nach den Kreuzzügen dominierten die italienischen Seerepubliken den Handel. Der Handel der italienischen Republiken umfasste bald im Osten die syrische Küste, Ägypten mit Alexandria als Stapelplatz für indische Waren, die Gegenden des Schwarzen Meers, das Mittelmeer, besonders die griechische Küste und die Inseln.
Der Karawanenhandel
Nach Syrien und Phönikien bestand durch die Wüste hindurch eine Karawanenstraße. Karawanen transportierten Seide und Gewürze aus Asien, Gold und Elfenbein aus Afrika sowie Edelsteine aus Arabien.
Die Hanse
Gründung und Blüte
1241 schlossen sich die deutschen Städte zum Hansebund zusammen. Vor allen war Lübeck damals groß und blühend. Bald umschloss die Verbindung alle Städte der Küste von Riga bis nach Ostende und landeinwärts bis nach Köln, Erfurt und Krakau.
Die vier Hauptkontore
Bergen war das Kontor für den Fischhandel, besonders mit Stockfisch. Nowgorod diente dem russischen Handel und orientalischen Gütern. London war für den britischen Inselhandel zuständig. Brügge war der Haupthandelsplatz und die Verbindung nach Italien.
Der Fall der Hanse
Im 16. Jahrhundert hatte die Hansa nur noch eine geringe Bedeutung für den Welthandel. Im Jahre 1669 ward die letzte Tagsatzung von Bremen, Lübeck, Hamburg, Braunschweig, Danzig und Köln gehalten.
Das Zeitalter der Entdeckungen
Die große Umwälzung
Mit den Entdeckungsreisen zu Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts beginnt eine völlige Umwälzung des Welthandels. Die Wege des Handels werden verlegt, das Mitteländische Meer, welches während zweier Jahrtausende der Schauplatz der Kulturthätigkeit war, wird allmählich verlassen, der Atlantische und Indische Ozean werden die Verkehrsstraßen der Völker.
Die neuen Seemächte
Portugal erschloss den Seeweg nach Indien durch Vasco da Gama 1497. Spanien entdeckte die Neue Welt durch Kolumbus 1492. Die Niederlande dominierten den Ostindien-Handel und Amsterdam stieg auf. England baute ein Kolonialsystem auf und erließ den Navigation Act.
Die Seidenstraße im Wandel
Antike Route
Kaum später entwickelte sich die Kultur in dem mit Naturschätzen reich gesegneten Indien, von wo sich der Handelsstrom durch Baktrien ergoss und die Wasserstraßen des Oxus und Jaxartes benutzte. So verband die Seidenstraße China mit dem Mittelmeer.
Die Karawane als Transportmittel
Karawanen durchquerten gefährliche Gebiete: Wüsten wie die Sahara und Arabien, Gebirge wie den Pamir und die Karpaten, sowie Steppen in Zentralasien.
Karawanenhandel
Der Karawanenhandel in Mittel- und Vorderasien und in Afrika dient der Hilfeleistung und vereinigt sich zu Handelsgeschäften oder Pilgerfahrten.
Von der Karawane zum Dampfer
Der Wandel im 19. Jahrhundert
In der Antike waren Karawane und Segelschiff die Transportmittel mit regionaler Reichweite. Im Mittelalter kamen die Karawane und die Hansekogge für kontinentale Verbindungen hinzu. Vom 16. bis 18. Jahrhundert beherrschte das Segelschiff den globalen Handel. Im 19. Jahrhundert ermöglichte das Dampfschiff weltumspannende Verbindungen.
Die Dampfschiffahrt als neue Ära
Die Dampfschiffahrt hat den Personenverkehr und Transport wertvoller Ladung ganz an sich genommen, während die Segelschiffahrt fast nur noch dem Transport von Rohstoffen dient.
Reisezeiten im Wandel
Vor der Dampfschiffahrt
Von London nach New York brauchte ein Segelschiff 6 bis 8 Wochen, ein Dampfschiff nur 2 Wochen. Von Europa nach Indien waren es 3 bis 6 Monate mit dem Segler, 4 bis 6 Wochen mit dem Dampfer. Nach China reiste man 6 bis 12 Monate mit dem Segelschiff, aber nur 6 bis 8 Wochen mit dem Dampfer.
Nach dem Suezkanal
Die Vollendung des Suezkanals 1869 vergrößerte den Dampferverkehr Europas nach Ostasien und Indien und hob die bis dahin unbedeutende Schiffahrt der Mittelmeerländer.
Quellen: Meyers Lexikon, ca. 1890; Stand: 2026