HerrHohlbein

Herr Hohlbein

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Die großen Dampferlinien: Norddeutscher Lloyd, Hapag und die Konkurrenz

Quellen: Brockhaus, Meyers Lexikon (Dampfschiffahrt-Artikel); Stand: ca. 1890


Die Postdampfer-Revolution

Die Dampfschiffahrt im Weltverkehr begann mit den Postdampfern, die von Regierungen subventioniert wurden. Die Dampfschiffahrt hat den Personenverkehr und Transport wertvoller Ladung ganz an sich genommen. Die meisten Staaten steuerten namhafte Summen zur Unterstützung der Dampfschiffahrtsgesellschaften, meist in der Form von Vergütungen für die Postbeförderung.


Die deutschen Dampferlinien

Der Norddeutscher Lloyd

Der Norddeutscher Lloyd war eine der bedeutendsten deutschen Reedereien. Er betrieb Strecken nach Nordamerika von Bremerhaven nach New York, nach Brasilien und Argentinien von Bremen aus, nach Ostasien von Bremen nach Hongkong, Schanghai und Yokohama, sowie nach Australien von Bremen nach Sydney und Melbourne.

Die Australien-Linie führte von Bremerhaven über Antwerpen, Port Said, Suez, Aden und die Tschagosinseln nach Adelaide, Melbourne und Sydney, wobei eine Weiterfahrt bis Brisbane freigestellt blieb. Eine Anschlusslinie führte von Sydney über die Tongainseln nach Apia in Samoa.

Die Geschwindigkeitsanforderungen betrugen 12 Knoten für die Ostasien-Hauptlinie, 11,5 Knoten für die Australien-Hauptlinie und 12 Knoten für die Mittelmeer-Linie.

Die Hamburg-Amerika Linie

Die Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actien-Gesellschaft, kurz Hapag, war neben dem Lloyd die zweite große deutsche Linienreederei. Sie betrieb Transatlantik-Dienste von Hamburg nach New York, Südamerika-Dienste nach Brasilien und Argentinien, sowie Fernen-Osten-Dienste über Suez nach Asien.


Britische Linien

Die Cunard Line

Die traditionsreichste englische Reederei eröffnete 1840 ihre Fahrten nach Halifax und New York.

Die Peninsular and Oriental Company

Die erste Dampferfahrt um die Erde wurde am 16. März 1842 von England aus unternommen. P&O verkehrte auf den Routen England nach Indien, England nach Australien und England nach Ostasien.

Weitere britische Linien

Die White Star Line spezialisierte sich auf den Transatlantikverkehr mit der Olympic-Klasse. Die Royal Mail Steam Packet Company fuhr nach Südamerika. Die Pacific Steam Navigation Company bediente die Westküste Amerikas.


Französische Linien

Die Messageries Maritimes

Die Gesellschaft verkehrte monatlich zweimal von Marseille über Neapel, Port Said, Suez, Aden, Kolombo, Singapur und Saigon nach Schanghai, mit Zweiglinien. Für Asien führte die Route durch den Suezkanal. Nach Australien fuhr man von Marseille über Réunion, Mauritius, Adelaide, Melbourne nach Sydney. Für Indien ging es von Kolombo nach Kalkutta über Madras.

Frankreich subventionierte diese Linien staatlich.


Der Österreichische Lloyd

Der Österreichische Lloyd war eine der wichtigsten Dampfschiffahrtsgesellschaften des europäischen Kontinents. Um 1890 verfügte er über 86 Dampfer mit einer Tonnage von 116.461 Tonnen und erhielt eine Subvention von 1,7 Millionen Gulden.

Aus Triest führte die Route über Brindisi, Suez, Dschidda und Massaua nach Aden, Bombay, Kolombo, Pinang und Singapur bis nach Hongkong, monatlich zweimal. Eine monatliche Seitenlinie ging von Kolombo nach Madras und Kalkutta.

Die berühmte Brindisi-Route war die schnellste Verbindung nach Asien: Die Eisenbahn brachte Reisende von London oder Paris nach Brindisi, von dort fuhr der Dampfer nach Alexandria, und ein weiterer Dampfer von Suez nach Bombay und Hongkong.


Italienische und niederländische Linien

Italien

Die Navigazione generale italiana entstand 1882 durch Vereinigung der bis dahin rivalisierenden Gesellschaften Florio und Rubattino. Sie verfügte über 93 Dampfer mit 137.530 Tonnen.

Die Niederlande

Die Nederland fuhr alle zehn Tage von Amsterdam über Southampton, Marseille, Suez, Sumatra nach Java. Der Rotterdamsche Lloyd verkehrte monatlich zweimal von Rotterdam über Marseille nach Padang, Batavia und Surabaja.


Amerikanische Linien

Die Pacific Mail Steam-Ship Company, die größte amerikanische Dampfschiffahrtsgesellschaft, fuhr zwischen San Francisco und Yokohama mit Fortsetzung nach Schanghai, monatlich zweimal.


Die Welthandelsflotte 1885/86

Nach Tonnage geordnet

Großbritannien führte mit 4.852 Dampfern und 4.159.005 Tonnen. Frankreich folgte mit 505 Dampfern und 498.646 Tonnen. Deutschland lag mit 509 Dampfern und 410.064 Tonnen an dritter Stelle. Die Vereinigten Staaten hatten 355 Dampfer mit 357.269 Tonnen. Spanien verfügte über 314 Dampfer mit 237.500 Tonnen. Die Niederlande besaßen 174 Dampfer mit 143.991 Tonnen. Italien kam auf 147 Dampfer mit 128.118 Tonnen. Rußland hatte 210 Dampfer mit 105.802 Tonnen. Norwegen verzeichnete 266 Dampfer mit 103.792 Tonnen. Österreich schloss die Liste mit 102 Dampfern und 93.043 Tonnen ab.

Die bedeutendsten Flaggen im Weltverkehr waren die britische mit 3.502 Schiffen, die griechische mit 639, die italienische mit 130 und die deutsche mit 125.


Der Wettbewerb um die Welt

Die englisch-deutsche Rivalität

In die Konkurrenz der englischen und französischen Dampfer wurden die deutschen Schiffe in der Weise eingefügt, dass jedesmal in den Zwischenraum von 11 Tagen, welcher jetzt monatlich zweimal zwischen den französischen und englischen Schiffen liegt, die Abgangszeit der deutschen Dampfer fiel.

Der Suezkanal als Nadelöhr

Die Vollendung des Suezkanals 1869 vergrößerte den Dampferverkehr Europas nach Ostasien und Indien erheblich.


Technische Entwicklung

Geschwindigkeitsrekorde

Die ersten Cunard-Schiffe von 1840 erreichten 8 bis 9 Knoten. Um 1850 verbesserte sich dies auf 11 bis 12 Knoten. 1885 erreichten die schnellsten Liner 15 bis 18 Knoten.

Die Schraube setzt sich durch

Heute hat der Schraubendampfer den Raddampfer von der hohen See nahezu verdrängt.


Das tägliche Leben an Bord

Reiseklassen

Die erste Klasse war für Oberschicht und Geschäftsleute zu sehr hohen Preisen. Die zweite Klasse diente dem Mittelstand zu mittleren Preisen. Das Zwischendeck bot Auswanderern günstige Überfahrt.

Auf Passagierschiffen ist das Zwischendeck der Unterkunftsraum für die am wenigsten zahlenden Passagiere.


Die Zukunft der Dampfschiffahrt

Um 1890 zeichneten sich mehrere Entwicklungen ab: Dreifach-Expansionsmaschinen versprachen höhere Geschwindigkeiten. Stählerne Rümpfe lösten die eisernen ab. Weltumspannende Netzwerke mit Anschlüssen verbanden entfernte Häfen. Kabotage-Verbindungen zu entlegenen Häfen wurden ausgebaut.


Quellen: Meyers Lexikon, Brockhaus, ca. 1890; Stand: 2026