HerrHohlbein

Herr Hohlbein

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Die Postkutsche: Königin der Landstraßen

Quellen: Brockhaus (Band 16, S. 442; Band 13, S. 329-331); Meyers Lexikon; Stand: ca. 1890


Die Anfänge: Antike Poststraßen

Die Postkutsche geht zurück auf das römische Postwesen. Die Hauptstützpunkte der staatlichen Post waren die an bedeutenderen Handels- und Verkehrsorten errichteten mansiones, welche zum Ausruhen und Verweilen der Reisenden während der Nacht dienten und meist je eine Tagereise voneinander entfernt waren. Zwischen zwei Mansionen befanden sich 6 bis 8 Mutationen für den Pferdewechsel.

Eine Tagereise zu Fuß betrug etwa 25 bis 30 Kilometer. Zu Pferd waren es etwa 40 bis 50 Kilometer.


Die Entwicklung der Kutsche

Im Mittelalter kannte man hauptsächlich Bagagewagen, da man es vorzog zu reiten oder sich in Sänften tragen zu lassen. Erst im 15. Jahrhundert kamen, ursprünglich nur für den Gebrauch fürstlicher Personen, die Kutschen auf, aus denen in der Folge Postwagen, Diligence, Omnibus, Chaise, Landauer und Coupé entstanden.

Die Kutsche war ein gedeckter Reisewagen für fürstliche Personen. Die Diligence diente als öffentliche Postkutsche für jedermann. Der Omnibus war ein Stadtomnibus für alle. Die Chaise war ein leichter, zweirädriger Wagen. Der Landauer war ein aufklappbarer Reisewagen. Das Coupé war ein zweirädriger, einspänniger Wagen. Das Kabriolett war ein leichter zweirädriger Wagen, oft mit Verdeck.


Die Diligence: Das Postkutschenwesen

Die Diligence, französisch für Eile, war die Hauptform der öffentlichen Personenbeförderung vor der Eisenbahn. Sie fasste etwa 8 bis 12 Personen, hatte enge Sitzreihen im Innenraum, Gepäck wurde auf dem Dach verstaut, und der Antrieb erfolgte durch Pferdewechsel an Poststationen.

Die Taxis erweiterten den ersten Postkurs durch Abzweigungen von Brüssel nach Frankreich und von Wien durch Tirol bis Rom. Es schlossen sich Postkurse zwischen Nürnberg, Frankfurt am Main und Schaffhausen an, während sich nach Norden der Taxissche Postenlauf bis Hamburg erstreckte.


Das englische Mail-Coach-System

1784 wurde in England das Institut der Mail-coaches eingeführt. Der Theaterdirektor John Palmer in Bristol regte eine durchgreifende Reform im Postbeförderungsdienst an und fand den Beifall des Premierministers Pitt. Unter demselben trat das Institut der Mail-coaches in Kraft, deren erste 1784 zwischen London und Bristol fuhr.


Reiseerlebnisse mit der Postkutsche

Die Postkutschenreise war alles andere als komfortabel. Viele Passagiere saßen auf engem Raum. Die Straßen waren schlecht mit Schlaglöchern und Unebenheiten. Bei schlechtem Wetter schützte nur eine Plane. Regelmäßige Pferdewechsel unterbrachen die Fahrt alle 15 bis 20 Kilometer. Überlandfahrten dauerten tagelang.

Typisch für eine Postkutschenreise war die Abfahrt frühmorgens, eine Mittagspause an der Poststation mit Mahlzeit, und abends die Ankunft oder Übernachtung. Pferdewechsel erfolgten alle 15 bis 20 Kilometer.


Geschwindigkeit und Reisezeiten

Auf guter Chaussee erreichte die Postkutsche 10 bis 12 Kilometer pro Stunde. Auf normaler Straße waren es 8 bis 10 Kilometer, auf schlechter Straße nur 5 bis 6 Kilometer. Der Durchschnitt lag bei etwa 8 Kilometern pro Stunde.

Von Hamburg nach Frankfurt dauerte die Reise etwa 4 Tage bei etwa 520 Kilometern. Frankfurt nach Mainz war ein Tagesritt bei etwa 85 Kilometern. Köln nach Brüssel dauerte etwa 2 Tage bei etwa 220 Kilometern.


Das Ende der Postkutsche

Mit dem Aufkommen der Eisenbahn wurde die Postkutsche rasch verdrängt. Die erste deutsche Eisenbahn Nürnberg-Fürth fuhr 1835. In den 1840er Jahren begann der Schnellbahnbau. In den 1850er Jahren fuhr die Postkutsche nur noch auf Nebenstrecken. In den 1870er Jahren dominierte die Eisenbahn den Personenverkehr.

Die Postkutsche ist heutzutage fast nur noch als Zubringer zu den Eisenbahnen im Gebrauch.


Postkutsche und Gesellschaft

Der Adel reiste mit eigenen Kutschen und Privatreisen. Das Bürgertum nutzte die Postkutsche für längere Reisen. Arme Leute gingen zu Fuß oder schickten Boten.

Die Postkutsche war ein beliebtes Motiv in Reiseberichten des 18. und 19. Jahrhunderts, in Räuberromanen wegen der Postkutschenüberfälle, und in Dokumentationen von Postverbindungen.


Technische Entwicklung

Im 15. Jahrhundert entstanden erste Kutschen für Fürsten. Im 16. Jahrhundert verbreiteten sie sich unter dem Adel. Im 17. Jahrhundert verbesserten sich die Federsysteme. Im 18. Jahrhundert wurde Federung allgemein üblich. Im 19. Jahrhundert gab es Spezialisierungen wie Postkutsche und Omnibus.

Erfindungen der neueren Zeit waren Kremser und Break. Die Verbesserung der Federung machte Reisen erträglicher durch Blattfedern, Schraubenfedern und später Gummifederung.


Postkutsche heute

Die Postkutsche hat kulturell überlebt als touristische Attraktion in Ferienorten, als Symbol vergangener Reisezeiten, und als Metapher für langsames Reisen.


Quellen: Brockhaus, Meyers Lexikon, ca. 1890; Stand: 2026