Entdeckungsreisen: Von Columbus zu Alexander von Humboldt
Quellen: Brockhaus, Artikel „Reisen” (Band 12, S. 746-747); Meyers Lexikon; Stand: ca. 1890
Was sind Entdeckungsreisen?
Entdeckungsreisen, das heißt Reisen, die in der Absicht unternommen werden, um noch unbekannte Länder aufzufinden und ungenügend bekannte genauer kennen zu lernen, sind oft zu gleicher Zeit kaufmännische und wissenschaftliche Reisen.
Anfänge: Antike Seefahrer
Die ersten bekannten Entdeckungsreisenden waren die Phöniker. Bekannte Beispiele sind die Seereisen des Hanno, des Pytheas von Massilia und Nearchs sowie die Landreisen eines römischen Ritters von Italien nach der Bernsteinküste.
Hanno unternahm um 500 vor Christus eine Reise entlang der Westküste Afrikas bis Sierra Leone. Pytheas um 330 vor Christus erforschte das nördliche Europa und Britannien. Nearch um 325 vor Christus befuhr den Persischen Golf und den Indus.
Mittelalterliche Entdeckungen
Arabische und chinesische Reisende
Die Reisewerke der Araber Massudi, Ibn Foslan, Ibn Batuta und Leo Africanus sind wichtige Quellen für die Kunde der mittelalterlichen Verhältnisse. Ibn Batuta bereiste im 14. Jahrhundert die ganze muslimische Welt. Marco Polo reiste im 13. und 14. Jahrhundert nach China und Asien. Ibn Foslan erforschte im 9. Jahrhundert die Wolga und Skandinavien.
Von Bedeutung für die Kenntnis Ostasiens sind die Reisen buddhistischer Priester, wie zum Beispiel des Fahien und besonders des Hiwen-tsang.
Das Zeitalter der Entdeckungen
Prinz Heinrich der Seefahrer
Die Seereisen bekommen erst Bedeutung nach der Erfindung des Kompasses, der den Beginn der atlantischen Reiseepoche bezeichnet. Zuerst ermutigte Prinz Heinrich der Seefahrer seine Kapitäne westwärts und südwärts in das unbekannte Weltmeer hineinzufahren.
Die großen Entdecker
1492 entdeckte Kolumbus Amerika, genauer die Westindischen Inseln. 1497 und 1498 fand Vasco da Gama den Seeweg nach Indien rund um das Kap der Guten Hoffnung. 1519 bis 1522 unternahm Magellan die erste Weltumsegelung und entdeckte die Philippinen.
Nachdem von Kolumbus, Cortez und Pizzaro Neu-Spanien entdeckt und durch Magellans erste Weltreise die Philippinen entdeckt und in spanische Gewalt gebracht waren, veränderte sich die Welt.
Englische und holländische Expeditionen
Die Suche nach der Nordwestpassage
Sebastian Cabot erreichte um 1497 etwa 67 Grad nördlicher Breite. Richard Chancellor entdeckte 1553 die Dwinamündung und eröffnete den Rußland-Handel. Francis Drake unternahm 1577 bis 1580 einen erfolgreichen Kaperzug um die Erde. Hudson erforschte 1610 den Hudson River und die Hudson Bay. Baffin kartierte 1615 die Baffin Bay.
Francis Drake
Der erste, der es wagte, die spanische Weltmacht in den Kolonien anzugreifen, war der kühne Seefahrer Francis Drake, der nach mehreren Beutezügen nach Westindien und Brasilien 1577 bis 1580 einen erfolgreichen Kaperzug um die Erde machte.
Die Nordpolexpeditionen
Frühe Arktisfahrten
Frobisher erreichte 1576 die Nordwestpassage. John Davis entdeckte 1585 die Davisstraße. Hudson erforschte 1610 die Hudson Bay.
Wissenschaftliche Forschungsreisen des 19. Jahrhunderts
Die wissenschaftlichen Forschungsreisen nach größern Fernen und entlegenern Räumen der Erde, teils zur Lösung bestimmter wissenschaftlicher Aufgaben wie astronomische Ortsbestimmungen, Bestimmungen des Sekundenpendels, Gradmessungen und Chronometerreisen, teils zur planmäßigen Erkundung der geographischen, naturgeschichtlichen und ethnographischen Verhältnisse bestimmter Gebiete, begannen allmählich um die Mitte des 17. Jahrhunderts, sind aber erst in neuerer Zeit zu rascher und großartiger Entwicklung gelangt.
Die Hauptziele der wissenschaftlichen Reisen waren im 19. Jahrhundert Südamerika, Hochasien, Innerafrika, Inneraustralien, die Polarregionen und die Meere.
Die großen Forscher
Alexander von Humboldt
Der hervorragendste Forscher war Alexander von Humboldt. Seine Reisen umfassten Südamerika von 1799 bis 1804, Zentralasien und Europareisen.
Deutsche Forschungsreisende
Die meisten wissenschaftlichen Forschungsreisen des 19. Jahrhunderts wurden von Deutschen ausgeführt. Alexander von Humboldt erforschte Südamerika. Carl Ritter widmete sich der Erdkunde allgemein. Heinrich Berghaus spezialisierte sich auf Kartographie. Gmelin bereiste Sibirien. Steller erforschte Kamtschatka und die Beringstraße. Forster, Vater und Sohn, begleiteten James Cook auf seiner zweiten Reise.
Die Erforschung Afrikas
Die bedeutendste Gesellschaft war unzweifelhaft die mit den reichen Mitteln des Königs der Belgier ins Leben gerufene Internationale Afrikanische Association, aus welcher die Association du Congo und später der Congostaat hervorgegangen ist, nachdem Stanley in seinem großartigen Zuge quer durch den dunkeln Kontinent den Lauf des afrikanischen Riesenstroms bestimmte.
Die Erforschung der Polarregionen
Den Reisen zur nordwestlichen Durchfahrt schließen sich die Nordpolexpeditionen an. Der Erschließung der Südsee folgten die Reisen nach den Südpolarländern. Für Reisen in den Nordpolargebieten erweckte Petermann neues Interesse, und seiner rastlosen Agitation haben wir eine Reihe von Unternehmungen zu danken, denen man in jüngster Zeit die Anlage von dauernden Polarstationen folgen ließ.
Ozeanographie
Die Ozeanforschung hat außer Deutschland auch in England und Nordamerika tätige Förderung erfahren, und die Reisen des Challenger und der Tuscarora stehen würdig neben der der Gazelle.
Reisezeiten der großen Entdeckungsreisen
Kolumbus erste Reise 1492 dauerte etwa 7 Wochen. Vasco da Gama nach Indien 1497 brauchte etwa 10 Monate. Magellans Weltumsegelung von 1519 bis 1522 dauerte 3 Jahre. Drakes Weltumsegelung von 1577 bis 1580 dauerte etwa 3 Jahre.
Weltumsegelungen dauerten generell 2 bis 4 Jahre. Fahrten nach Amerika erforderten 6 bis 10 Wochen, nach Afrika 2 bis 4 Wochen, nach Indien um das Kap 3 bis 6 Monate.
Die Literatur der Entdeckungsreisen
Die Menge der Reisewerke rief schon im 16. Jahrhundert Sammlungen derselben hervor, wie von Grynäus 1532, Ramusio ab 1550, de Bry und Merian 1590 bis 1634, und Hakluyt ab 1598.
Die Sammlung der besten und neuesten Reisebeschreibungen in 35 Bänden erschien in Berlin von 1763 bis 1802. Die Bibliothek der neuesten Reisebeschreibungen in 50 Bänden kam in Weimar von 1800 bis 1814 heraus. In England gibt die Hakluyt Society ältere Reisewerke heraus.
Quellen: Brockhaus, Meyers Lexikon, ca. 1890; Stand: 2026