HerrHohlbein

Herr Hohlbein

Ich habe die Antwort auf Alles.

Historische Währungen und Preise: Was kostete das Leben?

Quellen: Brockhaus; Meyers Lexikon; Brockhaus Konversations-Lexikon; Stand: ca. 1890


Einleitung: Geld im Wandel der Zeit

Die Preise im Laufe der Jahrhunderte sind gestiegen. Hauptsächlich infolge des mit der wachsenden Bevölkerung sich steigernden Bedarfes bei beschränkter Anbaufläche, zum Teil allerdings auch infolge des Sinkens des Geldwertes.


Die Währungen des deutschsprachigen Raums

Die wichtigsten Münzen um 1800

Ein Gulden wurde auch Florin oder Fiorino genannt und hatte einen Wert von etwa 1,71 bis 2,10 Mark. Ein Taler, auch Thaler oder Reichsthaler genannt, entsprach etwa 3 Mark. Die Mark gab es als solche erst ab 1871. Ein Franc, auch Franken genannt, entsprach 0,81 Mark. Ein Kreuzer war ein Sechzigstel eines Gulden. Ein Pfennig war ein Hundertstel einer Mark.

Währungsfüße im 18. und 19. Jahrhundert

Der Konventionsgulden in Österreich ab 1753 galt 2,10 Mark. Der Rheinische Gulden in Süddeutschland galt 1,75 Mark. Der Süddeutsche Gulden mit 24½-Gulden-Fuß galt 1,714 Mark. Der Preußische Taler mit 30-Taler-Fuß galt 3 Mark.

Wechselkurse um 1890

Ein Gulden österreichisch entsprach 2 Mark. Drei Gulden österreichisch entsprachen 2 Talern oder 6 Mark. Ein Franc entsprach 0,81 Mark. Ein Pfund Sterling entsprach 20,43 Mark. Ein US-Dollar entsprach 4,20 Mark.


Getreidepreise: Der Preis des Brotes

Berlin: Weizenpreise pro Tonne

1651 bis 1700 kostete Weizen 74,50 Mark pro Tonne. 1701 bis 1750 stieg er auf 84,78 Mark. 1751 bis 1800 waren es 125,32 Mark. 1801 bis 1850 lag er bei 185,80 Mark. 1851 bis 1880 bei 211,00 Mark. 1881 bis 1890 sank er auf 176,20 Mark. 1891 war er bei 224,21 Mark und 1894 bei 136,13 Mark.

Berlin: Roggenpreise pro Tonne

1651 bis 1700 kostete Roggen 53,40 Mark pro Tonne. 1701 bis 1750 lag er bei 62,72 Mark. 1751 bis 1800 waren es 101,42 Mark. 1801 bis 1850 stieg er auf 136,00 Mark. 1851 bis 1880 waren es 161,40 Mark. 1881 bis 1890 lag er bei 146,00 Mark. 1891 war er bei 211,23 Mark und 1894 bei 117,75 Mark.


Löhne und Einkommen

Tagelöhne um 1890

Die unterste Grenze des Lohns findet man bei den ungelernten Arbeitern, den Tagelöhnern, und diese fällt in der Regel zusammen mit dem notdürftigen Unterhaltsbedarf des Arbeiters und seiner Familie.

Ungelernte Arbeiter verdienten 1,50 bis 2,50 Mark pro Tag. Facharbeiter kamen auf 2,50 bis 4,00 Mark. Maurer im Streik 1895 bekamen etwa 3,00 Mark oder mehr. Landarbeiter erhielten 1,00 bis 2,00 Mark.

Jahreslöhne nach Beruf

Fabrikarbeiter verdienten 600 bis 1.200 Mark jährlich. Eisenbahner bekamen 800 bis 1.500 Mark. Lehrer verdienten 1.200 bis 2.400 Mark. Einfache Beamte kamen auf 1.800 bis 3.000 Mark, gehobene Beamte auf 3.000 bis 6.000 Mark.


Lebenshaltungskosten

Was kaufte man für eine Mark um 1890?

Für eine Mark konnte man etwa 3 bis 4 Kilogramm Brot kaufen, etwa 0,7 Kilogramm Rindfleisch, etwa 0,5 Kilogramm Butter für 2 bis 3 Mark, 10 Eier für 0,50 bis 1,00 Mark, einen Liter Milch für 0,20 bis 0,30 Mark, ein Kilogramm Zucker für 0,80 bis 1,00 Mark, oder ein halbes Kilogramm Kaffee für 2 bis 3 Mark.

Unterkunft um 1890

Ein Bett in einer Herberge kostete 0,30 bis 0,50 Mark pro Nacht. Ein einfaches Zimmer kostete 2 bis 3 Mark pro Nacht oder 30 bis 50 Mark im Monat. Mittelklasse-Hotels lagen bei 5 bis 10 Mark pro Nacht oder 100 bis 200 Mark im Monat. Luxushotels kosteten 20 bis 50 Mark pro Nacht oder 400 bis 1.000 Mark im Monat.


Reisekosten im Wandel

Straßburg nach Paris

Für die etwa 500 Kilometer von Straßburg nach Paris brauchte man 1798 etwa 4,5 Tage für 73 Francs zweiter Klasse, was etwa 500 Kilogramm Weizen entsprach. 1887 schaffte man es in etwa 9 Stunden für 44 Francs zweiter Klasse, etwa 250 Kilogramm Weizen.

Eisenbahnfahren um 1890

Für 100 Kilometer zahlte man dritte Klasse 4 bis 6 Mark, zweite Klasse 6 bis 10 Mark, erste Klasse 12 bis 18 Mark. Für 500 Kilometer waren es dritte Klasse 20 bis 30 Mark, zweite Klasse 30 bis 50 Mark, erste Klasse 60 bis 90 Mark.


Kaufkraft im Vergleich

Was konnte ein Arbeiter sich leisten?

Mit einem Tageslohn von etwa 2 Mark konnte ein Arbeiter etwa 7 Kilogramm Brot kaufen, etwa 1,3 Kilogramm Fleisch, etwa 20 Eier, oder für eine Eisenbahnfahrt über 100 Kilometer dritter Klasse etwa 2 Tage arbeiten.


Währungsgeschichte kompakt

Entwicklung der deutschen Mark

Nach den Napoleon-Kriegen 1815 gab es viele verschiedene Währungen. 1838 kam die erste Münzvereinheitlichung durch den deutschen Zollverein. 1857 wurde der Wiener Münzvertrag geschlossen mit Gulden- und Taler-Standard. 1871 wurde die deutsche Reichsmark eingeführt. 1873 kam die Goldwährung mit der Mark als 1/2790 Kilogramm Gold.


Fazit: Leben von 1650 bis 1900

Ein Kilogramm Brot kostete um 1650 etwa 0,05 Taler, um 1800 etwa 0,10 Taler, um 1890 etwa 0,30 Mark. Der Tageslohn für einfache Arbeiter lag um 1650 bei etwa 0,2 Talern, um 1800 bei etwa 0,5 Gulden, um 1890 bei etwa 2 Mark. Eine Eisenbahnfahrt über 100 Kilometer gab es um 1650 nicht, um 1890 kostete sie 4 bis 6 Mark. Eine monatliche einfache Miete kostete um 1650 etwa 2 Taler, um 1800 etwa 8 Gulden, um 1890 etwa 40 Mark.


Quellen: Brockhaus, Meyers Lexikon, ca. 1890; Stand: 2026