Tonangebende Reisende: Die Modevorbilder vor 1900
Quellen: Brockhaus; Meyers Lexikon; Stand: ca. 1890
Einleitung: Wer gab den Ton an?
Bevor es moderne Vorbilder gab, sprach man von tonangebenden Personen, solche die den Geschmack, die Mode und die Sitten ihrer Zeit bestimmten. Das politische Übergewicht Frankreichs machte es auch tonangebend auf allen gesellschaftlichen und kulturellen Gebieten.
Die Begriffe
Dandy ist ein englisches Wort, wahrscheinlich von dandle abgeleitet, und bezeichnet einen feinen Herrn der eleganten Welt, der sich des Ungewöhnlichen und Auffallenden in Kleidung und Benehmen befleißigt, dann soviel wie tonangebender Modeherr oder Geck.
Das deutsche Stutzer entspricht dem englischen Dandy nur unvollkommen.
Die großen Modevorbilder
Madame de Staël
Madame de Staël hielt einen der berühmtesten Salons in Paris. Sie reiste nach Deutschland und verbreitete deutsche Literatur in Frankreich. Sie prägte den Begriff der Gesellschaft.
Die Rolle der Mode-Zeitschriften
Die erste Modenzeitung war die Mode- und Galanteriezeitung in Erfurt seit 1758 in Deutschland. 1786 erschien das Journal des Luxus und der Moden in Weimar. 1785 kam das Cabinet des modes in Paris heraus, und 1796 das Costume français.
Die Franzosen als Modevorbilder
Das politische Übergewicht Frankreichs machte es tonangebend auf allen gesellschaftlichen und kulturellen Gebieten. Da der französische Hof für alle anderen das Vorbild war, welchem man nacheiferte, war der Einfluss des Französischen Geschmacks auf ganz Europa enorm.
Die Dandy-Kultur
Georg Brummell
Beau Brummell war der Inbegriff des Dandys und Freund des Prince of Wales. Er prägte die englische Herrenmode und reiste nach Paris, wo er Kontinentaleuropa beeinflusste.
Ein Dandy zeichnete sich durch auffallende, elegante und ungewöhnliche Kleidung aus, exzentrisches und wählerisches Benehmen, Bewegung nur in den höchsten Gesellschaftskreisen, und übermäßige, zur Schau gestellte Eitelkeit.
Die Salons als Modestationen
Salon ist ursprünglich ein größeres Gesellschafts- oder Empfangszimmer und bezeichnet die Kreise, welche sich an bestimmten Tagen ohne vorherige Einladung zu literarischer und ästhetischer oder musikalischer Unterhaltung bei solchen Personen versammeln, welche einen Salon halten.
Berühmte Salons waren der von Madame de Staël für deutsch-französischen Kulturaustausch, Madame de Tencin für Philosophenkreise, Angelika Kauffmann in Rom für Künstlerkreise, und Rahel Varnhagen in Berlin für die deutsche Romantik.
Fazit: Modevorbilder vor 1900
Mit dem Aufkommen der Eisenbahn und des Modejournalismus verlor der persönliche Kontakt an Bedeutung. Die Masse konnte nun direkt die neuesten Moden erfahren. Das Ende der aristokratischen Modevorbilder war gekommen.
Quellen: Brockhaus, Meyers Lexikon, ca. 1890; Stand: 2026