Pilgerfahrten zu Berühmtheiten: Wenn Bewunderer reisten
Quellen: Meyers Lexikon; Brockhaus; Stand: ca. 1890
Einleitung: Die Wallfahrt zum Genius
Lange bevor es moderne Idole gab, gab es Genies, und Menschen, die tagelang reisten, um sie zu sehen. Eine ganze Reise wurde zur Wallfahrt erklärt, und darüber wurde ein Buch geschrieben.
Die Geschichte der Friederike von Sesenheim
Goethe lernte Friederike Brion kennen, als er im Oktober 1770 als Student in Straßburg war, und besuchte sie bei ihren Eltern in Sesenheim. Das zwischen beiden sich entwickelnde Liebesverhältnis, das der Dichter selbst in Dichtung und Wahrheit so anmutig schildert, dauerte bis in den August 1771, als Goethe Straßburg verließ. Goethe selbst sah Friederike noch einmal im September 1779, als er auf der Reise nach der Schweiz begriffen einen Besuch in Sesenheim machte.
Friederike blieb unvermählt und bewahrte Goethe ein liebevolles Andenken. Nach ihrem Tod 1813 schrieb Näke 1822 die Wallfahrt nach Sesenheim, die 1840 veröffentlicht wurde. 1866 wurde ein einfacher Denkstein von freiwilligen Beiträgen aus allen deutschen Gauen auf ihrem Grab errichtet.
Jean Paul: Die Einladung nach Weimar
Jean Paul war ein aufstrebender Dichter, der noch keinen Verleger fand. Er erhielt eine briefliche Einladung nach Weimar von weiblicher Hand geschrieben. In der Ilmstadt seien die besten Menschen von Jean Pauls Werken entzückt. Ohne Verzug folgte er dem Ruf.
Seine Aufnahme übertraf alle seine Erwartungen. Vor allen andern begegnete ihm Charlotte von Kalb mit glühender Verehrung. Zurückhaltender empfingen Goethe und Schiller den Hesperusverfasser, der sich in Weimar meist im Kreis des ihm wahlverwandten Herder bewegte.
Im Oktober 1797 führte eine Reise nach Leipzig den nun berühmt gewordenen auf den Schauplatz seiner einstigen Kümmernis, und jetzt drängten sich die Bewunderer um ihn.
Weimar als Pilgerziel
Weimar wurde für deutsche Dichter zum heiligen Ort. Madame de Staël reiste von Paris nach Weimar, um die deutschen Dichter persönlich kennenzulernen, und schrieb darüber das berühmte Buch De l’Allemagne.
Fazit: Die Sehnsucht ist ewig
Die Menschen haben schon immer weite Reisen unternommen, um diejenigen zu sehen, die sie bewunderten. Die Technologie ändert sich, die menschliche Sehnsucht bleibt.
Quellen: Meyers Lexikon, Brockhaus, ca. 1890; Stand: 2026