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Ozeandampfer & Das Blaue Band: Die Rekordjagd über den Atlantik

Quellen: Meyers Konversations-Lexikon; Brockhaus; Stand: ca. 1890


Die Jagd nach Geschwindigkeit

Auf dem Atlantischen Ozean hat sich eine Unsitte ausgebildet, welche darin besteht, dass die Dampfer der verschiedenen Linien in der Schnelligkeit einander den Rang abzulaufen suchen.

Die Idee des Blauen Bandes entstand mit den ersten Ozeandampfern. Es war eine inoffizielle Auszeichnung für das schnellste Passagierschiff über den Nordatlantik.


Die Anfänge

Die ersten Ozeandampfer schafften um 1838 etwa 15 Tage für die Atlantiküberquerung. 1845 waren es etwa 12 Tage, in den 1850ern etwa 10 Tage, in den 1860ern etwa 9 Tage.

Isambard Kingdom Brunel baute die berühmtesten Schiffe seiner Zeit: Die Great Western von 1835 als erster Ozeandampfer seiner Linie, die Great Britain von 1842 als erstes Eisen-Dampfschiff der Welt, und die Great Eastern von 1857 als Leviathan mit 207 Metern Länge.


Die Blütezeit

Wie das Meyers Lexikon 1891 berichtete, entwickelte sich ein regelrechtes Wettrüsten zwischen den Reedereien. Anfangs waren die Engländer den Deutschen weit voraus, in den letzten Jahren aber haben deutsche Schiffe die englischen wiederholt geschlagen, und von beiden Seiten werden die größten Anstrengungen gemacht, um leider auf Kosten der Sicherheit des Schiffspersonals und der Reisenden die Fahrzeit immer mehr abzukürzen.


Der Deutsche Rekord: Fürst Bismarck

Das Schnellste Schiff der Welt im Jahr 1891 war der deutsche Dampfer Fürst Bismarck der Hamburg-Amerikanischen Paketfahrtgesellschaft. Das Schiff hatte 2.700 Tonnen Kohle an Bord und war eingerichtet für 420 Reisende erster, 170 zweiter Klasse, 705 Zwischendecksreisende und 270 bis 300 Mann Besatzung.

Die Rekordfahrt von Hamburg nach New York dauerte hin nur 6 Tage, 14 Stunden und 15 Minuten bei durchschnittlich 19,51 Knoten. Die Rückreise war sogar noch schneller: 6 Tage, 13 Stunden und 15 Minuten bei 19,78 Knoten. Die beste Tagesleistung lag bei 20,4 Knoten.

Die City of Paris war zwar schneller, fuhr aber kürzere Route ohne Hamburg.


Die Cunard-Linie

Samuel Cunard begründete 1840 die transatlantische Dampfschiffahrt. Obwohl die namhaftesten Techniker abrieten, unternahm er dennoch, regelmäßige Dampfschiffahrten zwischen Boston, New York und Liverpool einzurichten. Sein erstes Schiff, die Britannia, fuhr am 4. Juli 1840 von Liverpool ab und kam glücklich in Boston an.

Die Cunard-Flotte umfasste 1885 insgesamt 27 Ozeandampfer mit 98.775 Tonnen und 101.943 PS. 1884 stellten die Etruria und Umbria mit 19 Knoten einen Geschwindigkeitsrekord auf.


Die Wahrheit über die Titanic

Die RMS Titanic von 1912 war ein Schiff der White Star Line und hatte das Blaue Band nie gewonnen. Sie war ein Schiff der Luxusklasse, nicht der Geschwindigkeitsklasse.


Die Schattenseite

Die Kosten des Rekords waren enorm: Die Fürst Bismarck verbrauchte 2.700 bis 3.500 Tonnen Kohle pro Reise. 270 bis 300 Mann Crew waren nötig für die Höchstgeschwindigkeit. Maschinen und Kessel verschlissen schnell unter dem Druck.


Die letzten Rekorde

Nach 1900 setzten sich die Rekorde fort: Die Mauretania von Cunard fuhr um 1909 etwa 25 Knoten. Die Bremen von HAPAG erreichte 1929 etwa 28 Knoten. Die Rex der Italia fuhr 1938 etwa 31 Knoten. Den letzten offiziellen Rekord für das Blaue Band stellte 1952 die SS United States auf: 35 Knoten, 65 Kilometer pro Stunde.


Technische Entwicklung

1825 erreichten erste Dampfschiffe etwa 9 Knoten. 1838 fuhr die Great Western mit Dampf und Segel etwa 11 Knoten. 1842 war die Great Britain mit Eisen und Dampf etwa 12 Knoten schnell. In den 1860ern erreichten Dampfschiffe etwa 13 Knoten. In den 1880ern brachten Stahl und Dreifach-Expansionsmaschinen 17 bis 19 Knoten. Turbinen ermöglichten um 1900 über 25 Knoten.


Fazit

Das Blaue Band war eine inoffizielle Auszeichnung. Der Name stammt vom blauen Band im Knopfloch, das britische Adlige als Auszeichnung trugen. Nach 1952 wurde das Blaue Band nicht mehr offiziell vergeben, da moderne Passagierschiffe nicht mehr primär um Geschwindigkeit konkurrierten.


Quellen: Meyers Konversations-Lexikon, Brockhaus, ca. 1890; Stand: 2026