HerrHohlbein

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Flugscham: Das schlechte Gewissen beim Fliegen

Quellen: Deutschsprachige Wikipedia, Stand: 2026


Einleitung: Das schlechte Gewissen

Der Begriff Flugscham – vom schwedischen “flygskam”, im Englischen als “flight shame” bezeichnet – ist ein Neologismus, der 2017 in Schweden entstanden ist. Seit 2020 steht er im Duden, und 2019 wurde er zum Wort des Jahres in der Deutschschweiz gekĂŒrt.

Flugscham beschreibt ein neues Unwohlsein, das Menschen empfinden, wenn sie sich der klimaschĂ€dlichen Tragweite ihrer Flugreise bewusst werden – aber dennoch fliegen. Es ist das schlechte Gewissen, das many travelers kennen, wenn sie in den Urlaub fliegen und gleichzeitig die Klimawirkung des Fliegens kennen.


Die Zahlen

CO2-Ausstoß beim Fliegen

Ein Flug von Berlin nach Mallorca erzeugt etwa 250 Kilogramm CO2 pro Person – das entspricht einer 1.250 Kilometer langen Autofahrt. Ein Langstreckenflug von Frankfurt nach New York produziert rund 1.500 Kilogramm CO2, was etwa sechs Monaten Autofahren entspricht. Noch extremer: MĂŒnchen nach Bangkok bedeutet rund 2.500 Kilogramm CO2 – so viel wie ein ganzes Jahr Autofahren.

Diese Zahlen machen deutlich, warum Fliegen eine der klimaschÀdlichsten Fortbewegungsarten ist.


Greta Thunberg und die Bewegung

Die Ikone

Greta Thunberg hat die Flugscham-Bewegung maßgeblich beeinflusst. Ihre Entscheidung, fĂŒr die AtlantikĂŒberquerung nach Amerika zu segeln statt zu fliegen, sorgte fĂŒr globale Medienaufmerksamkeit. Von dort war es nur ein kleiner Schritt zu ihrem Schulstreik – der Beginn von Fridays for Future, der weltweiten Klimabewegung.

Die Aktionen der jungen Schwedin haben gezeigt, dass individuelles Handeln eine Welle auslösen kann.

Was sie auslöste

Die Bewegung erreichte 2019 ihren Höhepunkt. In Schweden, wo der Begriff entstand, war das Flugscham-GefĂŒhl am stĂ€rksten verbreitet. In Deutschland sagten rund 30 Prozent der Befragten, dass sie Flugscham empfinden. Im Vereinigten Königreich Ă€nderten etwa 25 Prozent ihr Reiseverhalten aufgrund klimabewusster Überlegungen.


Die Auswirkungen auf das Reiseverhalten

Wie Menschen reagieren

Die Flugscham-Bewegung hat tatsĂ€chlich VerhaltensĂ€nderungen ausgelöst. Viele Reisende wĂ€hlen fĂŒr Strecken unter sechs Stunden inzwischen die Bahn statt das Flugzeug. Andere fliegen zwar, bleiben aber lĂ€nger am Zielort statt Kurzreisen zu machen. CO2-Kompensation ist eine weitere Option – Ausgleichszahlungen fĂŒr emissionen, die nicht vermieden werden können. Und manche wĂ€hlen bewusst regionale Ziele statt Fernreisen.


Die Kritik

Gegenargumente

Flugscham ist nicht unumstritten. Kritiker argumentieren, dass es eine Klimadoppelmoral gibt – andere LĂ€nder stoßen ebenfalls viel CO2 aus, warum also gerade das Fliegen? Andere sehen darin ein Klassenproblem, denn Fliegen war schon immer primĂ€r fĂŒr Reiche zugĂ€nglich. Die Tourismusbranche weist auf die abhĂ€ngigen Jobs hin. Und manche meinen, individuelle Entscheidungen seien weniger effektiv als systemische Lösungen.


Die Lösungen

Was kann man tun?

Es gibt verschiedene AnsĂ€tze. Die Bahn ist fĂŒr Kurzstrecken der offensichtliche Ersatz. CO2-Kompensation ĂŒber Anbieter wie atmosfair, myclimate oder Climate Austria ist eine Möglichkeit, emissionen auszugleichen. Biokraftstoffe, sogenanntes Sustainable Aviation Fuel (SAF), könnten das Fliegen klimafreundlicher machen. Effizienteres Fliegen hilft ebenfalls – direkte FlĂŒge statt Umsteigen verursachen weniger Emissionen. Und natĂŒrlich: weniger fliegen, dafĂŒr lĂ€nger bleiben, also Slow Travel.


Vergleich: Damals vs. Heute

FrĂŒher war Fliegen ein Abenteuer, ein Luxus, etwas Besonderes. Kaum jemand machte sich Gedanken ĂŒber die Umwelt. Heute ist Fliegen fĂŒr viele Alltag – aber mit einem schlechten Gewissen. Das Bewusstsein fĂŒr Klimawirkung ist so hoch wie nie, und Alternativen wie Bahn oder Kompensation sind verfĂŒgbar. Der gesellschaftliche Druck wĂ€chst.


Die Zukunft

Der gegenlÀufige Trend

Seit 2025 beobachten Experten einen gegenlĂ€ufigen Trend. Nach Corona wollen alle reisen – der sogenannte Revenge Travel hat die Flugbuchungen nach oben schnellen lassen. Inflation und wirtschaftliche Unsicherheit drĂŒcken das Umweltbewusstsein. Gleichzeitig entwickeln sich Technologien wie E-Fuels und Wasserstoff als mögliche Lösungen. Die EU-Regulierung macht Fliegen teurer, was manchen abschreckt, andere motiviert, auf Alternativen umzusteigen.


Das Dilemma

FĂŒr Reisende heute

FĂŒr viele Reisende bleibt Flugscham ein echtes Dilemma. Der Traumurlaub kollidiert mit dem Klimabewusstsein. Fernreisen verbrauchen ein großes CO2-Budget. Wer Familie in anderen LĂ€ndern hat, steht vor besonderen Konflikten. Und das Streben nach Erlebnissen steht im Spannungsfeld mit Nachhaltigkeit.


Fazit: Die Scham bleibt

Flugscham ist ein Luxusproblem – aber es zeigt, dass sich die Gesellschaft mit dençœŸæ­Ł Kosten des Reisens auseinandersetzt. Die Frage ist nicht mehr, ob wir fliegen, sondern wie wir mit den Konsequenzen umgehen.

Es gibt keine perfekte Lösung. Jeder muss seinen eigenen Weg finden – zwischen dem Wunsch zu reisen und der Verantwortung gegenĂŒber dem Klima.


Quellen: Deutschsprachige Wikipedia, Artikel „Flugscham”, „Umweltauswirkungen des Luftverkehrs”; Stand: 2026